Basierend auf mehreren Clubtreffen und Beratschlagung unter den insgesamt 342 Homesharern, die sich bisher für den Club engagiert haben (von ca. 3000-4000 Homesharern in Berlin insgesamt) schlagen wir eine Anpassung des derzeitigen Zweckentfremdungsverbots an die Realität vor. Wir teilen das Ziel des Berliner Senats, bezahlbaren Wohnraum in Berlin für möglichst viele Menschen zu schaffen. Das Zweckentfremdungsverbot ist jedoch in der jetzigen Form nicht geeignet, dieses Ziel zu erreichen. Es trifft die falschen Leute. Dies wollen wir ändern.


Vorschläge des Home-Sharing Clubs Berlin an das Land und die Bezirke

  1. Einteilung der Kurzzeituntervermietung in zwei Kategorien: Regulierungsfreie Bagatellvermieter und potentiell genehmigungspflichte gewerbliche Dauervermieter
    Begründung: Diese Einteilung vermeidet die Kriminalisierung von Gelegenheitsvermietern (z.B. Wohnsitzvermietung für weniger als 120 Tage/Jahr) unabhängig von der vermieteten Fläche. Eine Genehmigung kostet aktuell 225€ und viele Seiten an Antragsformularen. Das ist Bagatellvermietern nicht zuzumuten.
  2. Freigabe der Möglichkeit, seine ganze Wohnung (Hauptwohnsitz) an bis zu 120 Tagen im Jahr kurzfristig unterzuvermieten Begründung: Diese Regelung verhindert die vollständige Entziehung ganzer Wohnungen vom Mietmarkt, gibt aber die Möglichkeit in der heutigen flexiblen Arbeitswelt Vielreisenden, Studenten im Praktikum und ähnlichen ihren Hauptwohnsitz in ihrer Abwesenheit unterzuvermieten. Bei 120 Tagen ist es kaum möglich, gewinnorientiert ganze Wohnungen dem Mietmarkt zu entziehen. Gleichzeitig wird das Teilen von Wohnraum bei eigener Abwesenheit unkompliziert ermöglicht. Längere Kurzzeitvermietungen sollten genehmigungspflichtig sein und abhängig von der lokalen Wohnraumsituation genehmigt werden können.
  3. Einrichtung einer vereinfachten Genehmigungsprozedur, zum Beispiel über eine Webseite zur Registrierung der Untervermietung bei der Stadt
    Begründung: So kann sichergestellt werden, dass genehmigungspflichtige Anbieter sich zunächst mit Name und Anschrift bei der Stadt registrieren. Dies kann für Plattformbetreiber ein verpflichtend zu prüfendes Element werden.
  4. Direktes Abführen der Berliner City Tax von Plattformbetreibern an das Land Berlin
    Begründung: Derzeit müssen monatlich oder quartalsweise Beträge beim Finanzamt angezeigt werden. Der Prozess dazu ist verwirrend und kompliziert. Direktes Abführen der fälligen Übernachtungssteuer wäre eine sinnvolle Vereinfachung für alle Beteiligten und würde die Steuerehrlichkeit der Vermieter und damit die Akzeptanz des kurzfristigen Untervermietens erhöhen.
  5. Einrichten eines Fonds für direkt abgeführte Einnahmen von Plattformbetreibern Verwendung der Mittel für sozialen Wohnungsbau und Mietzuschüsse
    Begründung: Die direkt von den Plattformbetreibern abgeführten City Tax und Einkommenssteuerpauschalen, die in vielen Fällen direkt aus der derzeitigen Illegalität geholt werden, leisten einen direkten Beitrag zu einer sozialeren und bezahlbaren Stadt für möglichst viele Menschen. (siehe auch Vorschläge an Plattformbetreiber)
  6. Bessere, leicht verständliche und einfach verfügbare Informationen
    Begründung: Umfassende, leicht verständliche Informationen online in Kombination mit Schulungen / Schulungsmaterialien über gesetzliche und steuerliche Voraussetzungen, die für legales Homesharing eingehalten werden müssen, erhöhen die Akzeptanz und faires, ehrliches Verhalten. Wir wünschen uns idealerweise auch konkrete Ansprechpartner für diese Fragen in den Bezirken.
  7. Unterstützung von Mieterrechten, kurzfristig unterzuvermieten
    Begründung: Mieter sollten genauso wie Eigentümer in der Lage sein, während ihres Urlaubs oder ihrer Abwesenheit von bis zu 120 Tagen im Jahr ihren Hauptwohnsitz unterzuvermieten. Ähnlich wie die reguläre Untervermietung sollte dies nur in begründeten Ausnahmefällen vom Vermieter untersagt werden können. Als Vorreiter könnten hier die städtischen Wohnbaugesellschaften dienen.

 


Vorschläge des Home-Sharing Clubs Berlin an Plattformbetreiber:

  1. One Host, One Home
    Begründung: Kommerzielle Anbieter widersprechen dem Grundgedanken des Teilens vom eigenen Zuhause. Die Gastfreundschaft in den eigenen privaten 4 Wänden ist unsere gemeinsame Grundüberzeugung.
  2. Direktes Abführen der Berliner City Tax an das Land Berlin.
    Begründung: Derzeit müssen monatlich oder quartalsweise Beträge beim Finanzamt angezeigt werden. Der Prozess dazu ist verwirrend und kompliziert. Direktes Abführen der fälligen Übernachtungssteuer wäre eine sinnvolle Vereinfachung für alle Beteiligten und würde die Steuerehrlichkeit der Vermieter und damit die Akzeptanz der Plattformen erhöhen.
  3. Im letzten Monat des Jahres Erinnerungsnachricht an alle Gastgeber der Stadt mit erzielten Einkünften und der Aufforderung, diese Einnahmen ans Finanzamt zu melden.
    Begründung: Dies ist ein wichtiges Zeichen an die Stadt Berlin, dass jeder Vermieter auf den Plattformen zur Steuerehrlichkeit angehalten wird.
  4. Hilfestellung für Vermieter und Nachbarn.
    Begründung: Vielen Gastgebern fällt es schwer, mit Nachbarn und Eigentümergemeinschaften in Kontakt zu treten. Ebenso bestehen bei Nachbarn Vorbehalte gegenüber dem Teilen von Wohnraum mit Unbekannten. Um Ängste und Sorgen abzubauen sollte auch in Berlin auf die bestehenden Angebote für Nachbarn hingewiesen werden. Auch sollten sich Nachbarn einfach über die Maßnahmen, die von Plattformbetreibern für Sicherheit und Versicherungen getroffen werden, informieren können.
  5. Klare Kenntlichmachung von gewerblichen Angeboten vs. Privatleuten, die ihr eigenes Zuhause teilen
    Begründung: Es muss Gelegenheiten geben, die eigene Genehmigung oder Bagatellvermietung deutlich als ein erlaubtes Angebot bewerben zu können.
  6. Informationsteilung über Anzahl der vermieteten Tage / Aussortierung von illegalen Angeboten
    Begründung: Die Plattformbetreiber sollten sich bei einem fairen Gesetz an dessen Durchsetzung beteiligen.

 

Vorschläge des Home-Sharing Clubs Berlin an Gastgeber:

  1. Jeder Gastgeber muss sich an das Zweckentfremdungsverbotsgesetz und generell alle gesetzlichen Bestimmungen halten
    Begründung: Dies ist eine Selbstverständlichkeit.
  2. Jeder Gastgeber muss mit seinem Vermieter und / oder Nachbarn reden
    Begründung: Viele Nachbarn und / oder Eigentümergemeinschaften in unserer Stadt haben Vorbehalte. Diese müssen offen und ehrlich besprochen werden. Gastgeber können langfristig nur auf Verständnis bei Politik und Gesellschaft hoffen, wenn Sie offen und ehrlich mit ihrer Nachbarschaft umgehen und auf ihre Sorgen und Bedenken eingehen. Der Home-Sharing Club Berlin bietet hier Erfahrungsbeispiele und Hilfestellung.
  3. Jeder Gastgeber muss seine Steuern und die City Tax bezahlen
    Begründung: Unsere gemeinsame Kultur, unser zu Hause mit Leuten aus der ganzen Welt zu teilen, wird nur akzeptiert werden, wenn wir damit einen positiven Einfluss auf unsere Stadt und Nachbarschaft ausüben. Im Sinne der anderen Vorschläge ist es daher zwingend notwendig, dass jeder einzelne von uns seine Steuern und die City Tax bezahlt und damit für Akzeptanz sorgt und einen positiven Beitrag für bezahlbaren sozialen Wohnraum leistet.

 

Beispielrechnungen 120-Tage Regelung

Diese Beispielrechnungen sollen zeigen, dass selbst wenn jemand die Hauptwohnsitzregel umgeht, eine Limitierung der kurzfristigen Mietdauer auf 120 Tage die „Zweckentfremdung“ von Wohnraum, besonders in den am Meisten betroffenen Bezirken, finanziell uninteressant macht. Natürlich kann das in Einzelfällen anders aussehen. Nicht unterschätzt werden sollte jedoch auch der administrative Aufwand, die Plattform/Werbungsgebühren und die zusätzliche Einrichtungsabnutzung der Kurzzeitvermietung, so dass selbst bei ähnlichen Einnahmen langfristige gegenüber kurzzeitiger Vermietung immer von Eigentümern bevorzugt werden wird.

Wohnung Kaltmiete Typische Plattformsmiete Nebenkosten (Wasser, Strom, Heizung, Internet)/Monat Summe 12 monatige langfristige Vermietung Summe Einnahmen vor Steuern 120 Tage Kurzzeit-vermietung
Normale (11€/m2) 3-Zimmer-Wohnung, 75m2 825€ 80€/Nacht 150€ 9900€ 9000€
Hochwertige (14€/m2) 3-Zimmer-Wohnung, 75m2 1050€ 105€/Nacht 200€ 12600€ 11800€
Normale 1 Zimmer-Wohnung, 50m2 550€ 55€/Nacht 120€ 6600€ 6120€
Hochwertige 1-Zimmer-Wohnung 700€ 65€/Nacht 120€ 8400€ 7320€

Durchschnittliche Mietpreise Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte laut Mietspiegel 2017: 11-14€/m2

Berechnung Summe 12-monatige langfristige Vermietung: Kaltmiete x 12

Berechnung Summe Einnahmen 120 Tage Kurzzeitvermietung: Plattformsmiete/Tag x 120 – Nebenkosten/120Tage, noch nicht berücksichtigt sind Plattformgebühren, Reinigungskosten, Abnutzung von Möbeln etc..